Alfons Scholten

100 Tage Merz

100 Tage Merz = 100 Tage „Du hast keine Chance, aber nutze sie!“
Am 15. März – knapp 2 Monate vor der Wahl zum Kanzler – hatte ich geschrieben, dass Friedrich Merz nun vor dem „gordischen Knoten“ der deutschen und europäischen Politik stünde1. Die ersten 100 Tage seiner Kanzlerschaft haben gezeigt, dass diese Einschätzung stimmte ; aber schlimmer noch : seine ersten Bemühungen den Knoten zu lösen, haben keine Auflösung, sondern nur noch mehr Verwirrung geschaffen. Trotzdem bleibt es dabei, dass wir ihm und seinem Team viel Erfolg wünschen müssen, denn sonst droht Schlimmeres !

Dabei hatten Friedrich Merz und sein Team im Wahlkampf gerade die ersten 100 Tage mächtig mit Bedeutung aufgeladen und lauthals versprochen, dass bis zur Sommerpause sowohl in der Migrationspolitik als auch in der Wirtschaft schon die ersten Verbesserungen zu spüren seien.

Nun hat die Koalition und insbesondere Alexander Dobrindt, der neue Innenminister von der CSU, in der Migrationspolitik deutliche schärfere Grenzkontrollen umgesetzt, die immerhin von Mai bis August insgesamt zu 9254 Zurückweisungen geführt haben, darunter auch 493 Menschen, die einen Asylantrag stellen wollten ; allerdings sind diese Zurückweisungen juristisch zweifelhaft und belasten zumindest das deutsch-polnische Verhältnis erheblich, was angesichts der starken innerpolnischen Spannungen nicht unbedingt zum Vorteil Deutschlands und Europas ist.2

Da Alexander Dobrindt sich in seiner früheren Tätigkeit als Bundesverkehrsminister (2013 – 2017) schon mal durch eklatante Fehleinschätzungen des europäischen Rechts hervorgetan hat3, werden seine Beteuerungen, dass die Maßnahmen europarechtskonform seien, nicht sehr ernst genommen. Da der deutlich erhöhte Personalaufwand bei den deutschen Behörden (Grenzschutz, Polizei, …) seit Mai bereits zu zusätzlichen Kosten in Höhe von mehr als 80 Millionen € geführt hat, darf man sich fragen, was alles möglich wäre, wenn man so viel Geld in Integrationsmaßnahmen (Sprach- und Integrationskurse, Berufsanerkennung, …) stecken würde.
Denn 3 Punkte sind klar :

  1. Deutschland braucht mehr und nicht weniger Zuwanderung,
  2. Die Migranten, die wir haben wollen, kommen nicht ; die, die kommen, wollen wir nicht4
  3. Die Prognose, dass eine schärfere Grenzpolitik die Zustimmungswerte für die AfD verringern würde, bestätigt sich nicht ; nach aktuellen Zahlen (Anfang August) sinken die Werte für die CDU/CSU5 und die Werte für die AfD steigen, was den innerparteilichen Druck auf Merz erhöht.

Ein weiteres Problem ist, dass Friedrich Merz kein „Klempner der Macht“ ist und sein will, aber auch noch niemanden gefunden hat, der für ihn diese Arbeit im Hintergrund sauber und ordentlich erledigt. Jens Spahn, der – in der deutschen Parlamentsdemokratie – als Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, für Friedrich Merz die Mehrheiten organisieren müsste, hat das in 2 entscheidenden Momenten nicht geschafft : bei der Kanzlerwahl, die erst im 2. Wahlgang geklappt hat und bei der Wahl von Richter:innen für das Bundesverfassungsgericht, die kurzfristig abgesagt werden musste, obwohl Merz und Spahn den Vorschlägen der SPD schon öffentlich zugestimmt hatten. Ob Jens Spahn, der selber davon träumt, Kanzler zu werden, tatsächlich willens und in der Lage ist, die dienende Funktion eines Fraktionsvorsitzenden auszufüllen, ist unklar, was seine Autorität schwächt. Zudem hat er noch jede Menge mit „Altlasten“ aus seiner Zeit als Gesundheitsminister zu tun als er in fragwürdiger Art und Weise Unmengen von Masken zu einem sehr hohen Preis bestellt hat, was heute noch den Bundesetat belastet ; auch das stärkt nicht seine Position im Bundestag.

Da die aktuelle SPD-Fraktion im Bundestag „linker“ und die CDU/CSU-Fraktion „rechter“ als zu Zeiten von Angela Merkel ist, ist es prinzipiell schon schwieriger tragfähige Kompromisse zu finden. Zudem bilden beide zusammen keine „große Koalition“ mehr, da die SPD nicht zweit- sondern nach der AfD nur drittstärkste Fraktion im Bundestag ist. Logischerweise versucht die AfD durch Einbringen von „verlockenden“ Anträgen den Graben zwischen den Linken in der SPD und den Rechten in der CDU/CSU zu vergrößern, in der Hoffnung, dass dann einige CDU/CSU’ler aus Frust über die schmerzhaften Kompromisse mit der SPD lieber mit der AfD stimmen. Die in Deutschland gerne als „Kulturkampf“6 bezeichneten Themen : Genderfragen, Abtreibungsregelungen, Identitätspolitik, … eigen sich dafür besonders, weil sie sich schnell emotional aufladen lassen und dann zur Frontenbildung führen. Und es gibt nur eine kleine Hoffnung, dass die Grünen, die FDP oder das BSW das „Vakuum“, das in der „politischen Mitte“ entstanden ist, besetzen und so den Graben mit demokratischen Alternativen schließen könnten.

Angesichts des „neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit“7 aufgrund des Aufkommens der sog. sozialen Medien und darüber gesteuerten Kampagnen mit Fake-News per E‑Mail-Welle, Mobbing-Attacken, koordinierten Anrufen bei Abgeordneten bis hin zu Morddrohungen gegen unliebsame Personen, wird es immer schwieriger in der Öffentlichkeit, sachorientierte, kompromissoffene Thesen zu vertreten und dafür zu werben. Die aktuelle Diskussion um den Vorschlag der SPD für eine Richterin beim Bundesverfassungsgericht zeigt das ebenso wie so manche Kampagne im Kleinen.8 Die Tatsache, dass diese Kampagnen zum Teil über entsprechende Internetplattformen europaweit organisiert werden, macht das Problem nicht kleiner, sondern schwieriger zu lösen, weil es noch keine europäische Zivilgesellschaft gibt, die darauf angemessen antworten könnte. Und es ist nur ein kleiner Trost, dass so auch Strukturen für eine europäische Öffentlichkeit entwickelt werden.

Diese neustrukturierte Öffentlichkeit wird auch das Regieren im „Herbst der Entscheidungen“ schwieriger bis unmöglich machen. Im 2. Halbjahr stehen nämlich wichtige Entscheidungen zur Reform der Sozialversicherungen (Rente, Gesundheit, Pflege) an, die schmerzhafte Kompromisse erfordern werden. Die Debatten dazu lassen sich leicht „aufheizen“, so dass sachliche und zukunftsorientierte Lösungen schwer zu finden sein werden. Und Friedrich Merz, der sich gerne als „Macher“ inszeniert, ist – wie gesagt – noch nicht durch sensibles und geschicktes Auftreten in der Öffentlichkeit aufgefallen.

Hinzu kommt, dass der versprochene Aufschwung noch nicht in Sicht ist, obwohl die Koalition ein konservatives bis neoliberales Sanierungskonzept (Senkung der Unternehmenssteuern, Kürzung der Sozialleistungen) angekündigt und teilweise schon umgesetzt hat. Allerdings fressen die von Trump durchgesetzten Zölle und – fast unbeachtet – seine Beeinflussungen des Kurses des US-Dollar die den Unternehmen gewährten Steuervorteile wieder auf, so dass vorerst der Aufschwung und damit eine Entspannung im Bundeshaushalt und in den Sozialkassen ausbleibt. Die Alternative, die noch vorhandenen Handelsschranken in der EU, die bis zu 40% ausmachen sollen, abzubauen, hört sich gut an, wäre aber mit Konflikten mit Vertretern diverser deutscher Branchen verbunden.

Die Kosten des Ukrainekrieges und die bevorstehenden Verhandlungen über den nächsten EU-Haushalt sind weitere Risikofaktoren für Friedrich Merz und seine Koalition. Denn in Brüssel wird der Ruf nach gemeinschaftlich finanzierten Schulden für die Verteidigung und den klimagerechten Umbau der EU-Wirtschaft immer lauter und löst in und zwischen den Koalitionsparteien heftige Debatten aus. Und auch diese Debatte lässt sich mit dem Stichwort vom „Zahlmeister Europas“ leicht polarisieren und skandalisieren.

Der Israel/Palästina Konflikt und die katastrophale Lage in Gaza erfordert von Deutschland und Friedrich Merz schwere Entscheidungen und angesichts der deutschen Geschichte einerseits und der katastrophalen Lage andererseits schmerzhafte Korrekturen der bisherigen deutschen Israelpolitik, was vor allem bei CDU-Vertretern Widerspruch produziert, während manche in der SPD noch weitergehende Korrekturen fordern.

Kurz und gut : In Anlehnung an die alte Fußballerweisheit „Das nächste Spiel ist immer das Schwerste!“ könnte man sagen : „Die nächsten 100 Tage sind die schwersten!“,

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2 Es gibt sogar einige politische Kommentatoren, die so weit gehen zu behaupten, dass die deutschen Zurückweisungen an der polnischen Grenze, den Ministerpräsidenten Tusk und seinen Präsidentschaftskandidaten entscheidende Zehntelprozentpunkte gekostet und so zum Sieg des PiS-Kandidaten geführt haben.

3 Dobrindt hatte das Vorhaben einer sog. „Ausländermaut“ auf den Weg gebracht und immer wieder behauptet, dass es nicht gegen europäisches Recht verstoße, nur die ausländischen Autofahrer diese Maut zahlen zu lassen und den deutschen Autofahrern die Kosten durch Vergünstigungen bei der KfZ-Steuer zu erstatten; dies brachte der CSU ein sehr gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl 2013 und den Bundesbürgern hohe Kosten für die Entschädigung der von Dobrindts Nachfolger aus der CSU - bereits beauftragten Unternehmen

4 Es wäre wichtig zu klären, ob und wie a) und b) miteinander zusammen hängen

5 Die Werte für die CDU/CSU sinken seit Anfang des Jahres und seitdem Friedrich Merz zugelassen hat, dass die AfD-Stimmen für ein Vorhaben seiner Partei ausschlaggebend werden konnten; waren CDU/CSU bis dahin bei Werten um die 30% haben sie bei der Bundestagswahl nur 28% erreicht und liegen jetzt bei 26%, die AfD hingegen bei 24,5%; bei einigen Umfrage-Instituten liegt die AfD sogar knapp vor CDU/CSU

6 „Kulturkampf“ ist ursprünglich ein Begriff aus der Gründungsphase des deutschen Kaiserreiches (1870’er Jahre) als Bismarck die SPD und die Katholiken als „Reichsfeinde“ bezeichnete, weil die einen die Demokratie forderten und die anderen – nach Annahme des im deutschen Katholizismus heftig umstrittenen Unfehlbarkeitsdogmas des 1. Vatikanischen Konzils – „ultramontan“ (d.h. von jenseits der Berge = Rom) gesteuert würden. Beide Vorwürfe führten zu einer Spaltung der Gesellschaft und zur Ausbildung eines sozialistischen bzw. „katholischen Milieus“ mit eigenen Sozialstrukturen (Schulen, Vereine, Parteien, Gewerkschaften, …)

7 Jürgen Habermas: Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik. – Frankfurt/Main 2022

8 z.B. gegen die demokratisch gewählte Präsidentin der Scouts et Guides France: https://www.lemonde.fr/societe/article/2025/08/06/scouts-et-guides-de-france-la-presidente-marine-rosset-annonce-sa-demission_6627119_3224.html (14.8.2025)
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Les premiers 100 jours de Merz

100 jours Merz = 100 jours « Tu n’as aucune chance, mais saisis-la ! »
Le 15 mars, soit près de deux mois avant l’élection du chancelier, j’avais écrit que Friedrich Merz se trouvait désormais face au « nœud gordien » de la politique allemande et européenne1. Les 100 premiers jours de son mandat ont montré que cette estimation était juste ; mais pire encore : ses premières tentatives pour dénouer le nœud n’ont pas abouti à une résolution, mais seulement à davantage de confusion. Il n’en reste pas moins que nous devons lui souhaiter, ainsi qu’à son équipe, beaucoup de succès, car sinon, le pire nous menace !

Pendant la campagne électorale, Friedrich Merz et son équipe avaient justement accordé une grande importance aux 100 premiers jours et promis haut et fort que les premières améliorations seraient déjà perceptibles avant la pause estivale, tant dans la politique migratoire que dans l’économie.

Or, la coalition, et en particulier Alexander Dobrindt, le nouveau ministre de l’Intérieur de la CSU, a mis en place des contrôles aux frontières nettement plus stricts en matière de politique migratoire, qui ont conduit à 9 254 refoulements entre mai et août, dont 493 personnes qui souhaitaient déposer une demande d’asile. cependant, ces refoulements sont juridiquement contestables et pèsent considérablement sur les relations germano-polonaises, ce qui, compte tenu des fortes tensions internes en Pologne2, n’est pas forcément à l’avantage de l’Allemagne et de l’Europe.

Alexander Dobrindt s’étant déjà distingué par ses erreurs d’appréciation flagrantes du droit européen dans le cadre de ses anciennes fonctions de ministre fédéral des Transports (2013−2017)3, ses affirmations selon lesquelles les mesures sont conformes au droit européen ne sont pas prises très au sérieux. Étant donné que l’augmentation significative des dépenses de personnel des autorités allemandes (garde-frontières, police, etc.) a déjà entraîné des coûts supplémentaires de plus de 80 millions d’euros depuis mai, on peut se demander ce qu’il serait possible de faire si autant d’argent était investi dans des mesures d’intégration (cours de langue et d’intégration, reconnaissance professionnelle, etc.) ?
Car trois points sont clairs :

  1. l’Allemagne a besoin de plus d’immigration, et non moins,
  2. les migrants que nous voulons n’arrivent pas ; ceux qui arrivent, nous ne les voulons pas4
  3. la prévision selon laquelle une politique frontalière plus stricte réduirait les taux d’approbation de l’AfD ne se confirme pas ; selon les chiffres actuels (début août), les taux de la CDU/CSU baissent et ceux de l’AfD augmentent5, ce qui accroît la pression interne sur Merz au sein du parti.

Un autre problème réside dans le fait que Friedrich Merz n’est pas et ne souhaite pas être un « artisan du pouvoir », mais qu’il n’a encore trouvé personne pour accomplir ce travail en coulisses de manière propre et ordonnée. Jens Spahn, qui, dans la démocratie parlementaire allemande, devrait organiser les majorités pour Friedrich Merz en tant que président du groupe CDU/CSU au Bundestag, n’y est pas parvenu à deux moments décisifs : lors de l’élection du chancelier, qui n’a abouti qu’au deuxième tour, et lors de l’élection des juges à la Cour constitutionnelle fédérale, qui a dû être annulée à la dernière minute, alors que Merz et Spahn avaient déjà publiquement approuvé les propositions du SPD. On ne sait pas si Jens Spahn, qui rêve lui-même de devenir chancelier, est réellement disposé et capable d’assumer la fonction de service de président de groupe parlementaire, ce qui affaiblit son autorité. De plus, il doit encore faire face à de nombreux « héritages » de son mandat de ministre de la Santé, lorsqu’il a commandé de manière discutable des quantités énormes de masques à un prix très élevé, ce qui pèse encore aujourd’hui sur le budget fédéral ; cela ne renforce pas non plus sa position au Bundestag.

Étant donné que le groupe parlementaire SPD actuel au Bundestag est plus « à gauche » et que le groupe CDU/CSU est plus « à droite » qu’à l’époque d’Angela Merkel, il est en principe plus difficile de trouver des compromis viables. Logiquement, l’AfD tente d’élargir le fossé entre la gauche du SPD et la droite de la CDU/CSU en présentant des motions « alléchantes », dans l’espoir que certains membres de la CDU/CSU, frustrés par les compromis douloureux avec le SPD, préfèrent voter avec l’AfD. Les thèmes souvent qualifiés de « Kulturkampf6 » (lutte culturelle) en Allemagne : questions de genre, réglementation de l’avortement, politique identitaire, … s’y prêtent particulièrement bien, car elles peuvent rapidement susciter des émotions et conduire à la formation de fronts. Et il n’y a qu’un faible espoir que les Verts, le FDP ou le BSW puissent occuper le « vide » qui s’est créé au « centre politique » et ainsi combler le fossé avec des alternatives démocratiques.

Compte tenu du « nouveau changement structurel de l’opinion politique publique7 » lié à l’émergence des réseaux sociaux et des campagnes menées via ces derniers avec des fausses informations diffusées par e‑mail, des attaques de harcèlement, des appels téléphoniques coordonnés aux députés, voire des menaces de mort à l’encontre de personnes indésirables, il devient de plus en plus difficile de défendre et de promouvoir en public des thèses factuelles et ouvertes au compromis. Le débat actuel autour de la proposition du SPD de nommer une juge à la Cour constitutionnelle fédérale en est une illustration, tout comme certaines campagnes à plus petite échelle8. Le fait que ces campagnes soient en partie organisées à l’échelle européenne via des plateformes Internet dédiées ne rend pas le problème moins important, mais plus difficile à résoudre, car il n’existe pas encore de société civile européenne capable d’y répondre de manière appropriée. Et le fait que cela permette également de développer des structures pour une opinion publique européenne n’est qu’une maigre consolation.

Cette opinion publique restructurée rendra également la gouvernance plus difficile, voire impossible, à l”« automne des décisions ». Au cours du second semestre, des décisions importantes concernant la réforme des assurances sociales (retraites, santé, soins) devront être prises, ce qui nécessitera des compromis douloureux. Les débats à ce sujet peuvent facilement « s’enflammer », de sorte qu’il sera difficile de trouver des solutions objectives et tournées vers l’avenir. Et Friedrich Merz, qui aime se présenter comme un « homme d’action », ne s’est pas encore distingué par son attitude sensible et habile en public.

À cela s’ajoute le fait que la reprise promise n’est toujours pas en vue, bien que la coalition ait annoncé et déjà partiellement mis en œuvre un plan d’assainissement conservateur à néolibéral (baisse des impôts sur les sociétés, réduction des prestations sociales). Cependant, les droits de douane imposés par Trump et – presque inaperçus – son influence sur le cours du dollar américain annulent les avantages fiscaux accordés aux entreprises, de sorte que, pour l’instant, la reprise et, par conséquent, une détente du budget fédéral et des caisses sociales se font attendre. L’alternative, qui consiste à supprimer les barrières commerciales encore existantes dans l’UE, qui représenteraient jusqu’à 40 %, semble intéressante, mais elle entraînerait des conflits avec les représentants de divers secteurs allemands.
Le coût de la guerre en Ukraine et les négociations à venir sur le prochain budget de l’UE constituent d’autres facteurs de risque pour Friedrich Merz et sa coalition. En effet, à Bruxelles, les appels en faveur d’un financement commun de la dette pour la défense et la transition climatique de l’économie européenne se font de plus en plus pressants et suscitent de vifs débats au sein et entre les partis de la coalition. Et ce débat peut lui aussi être facilement polarisé et scandalisé avec le slogan « trésorier de l’Europe ».

Le conflit israélo-palestinien et la situation catastrophique à Gaza exigent de l’Allemagne et de Friedrich Merz des décisions difficiles et, compte tenu de l’histoire allemande d’une part et de la situation catastrophique d’autre part, des corrections douloureuses de la politique allemande actuelle envers Israël, ce qui suscite surtout la contradiction chez les représentants de la CDU, tandis que certains membres du SPD réclament des corrections encore plus importantes.

En bref : en référence au vieil adage footballistique « Le prochain match est toujours le plus difficile ! », on pourrait dire : « Les 100 prochains jours sont les plus difficiles ! ».

1 Voir à cette page

2 Certains commentateurs politiques vont même jusqu'à affirmer que les refoulements allemands à la frontière polonaise ont coûté des dixièmes de points décisifs au Premier ministre Tusk et à son candidat à la présidence, conduisant ainsi à la victoire du candidat du PiS.

3 Dobrindt avait lancé le projet d'un « péage pour les étrangers » et affirmé à plusieurs reprises que le fait de faire payer ce péage uniquement aux automobilistes étrangers et de rembourser les coûts aux automobilistes allemands par le biais d'avantages fiscaux sur les véhicules ne violait pas le droit européen. cela a permis à la CSU d'obtenir un très bon résultat aux élections fédérales de 2013 et a entraîné des coûts élevés pour les citoyens allemands afin d'indemniser les entreprises déjà mandatées par le successeur de Dobrindt.

4 Il serait important de clarifier si et comment a) et b) sont liés

5 Les scores de la CDU/CSU sont en baisse depuis le début de l'année et depuis que Friedrich Merz a admis que les voix de l'AfD pourraient être décisives pour un projet de son parti ; alors que la CDU/CSU affichait jusqu'alors des scores avoisinant les 30 %, elle n'a obtenu que 28 % des voix aux élections fédérales et se situe désormais à 26 %, tandis que l'AfD atteint 24,5 % ; certains instituts de sondage placent même l'AfD légèrement devant la CDU/CSU.

6 Le terme « Kulturkampf » (lutte culturelle) remonte à la période fondatrice de l'Empire allemand (années 1870), lorsque Bismarck qualifia le SPD et les catholiques d'« ennemis de l'Empire », les uns parce qu'ils réclamaient la démocratie, les autres parce qu'ils étaient, après l'adoption du dogme de l'infaillibilité du Concile Vatican I, très controversé dans le catholicisme allemand, contrôlés par les « ultramontains » (c'est-à-dire ceux qui vivaient au-delà des montagnes = Rome). Ces deux reproches ont conduit à une division de la société et à la formation d'un « milieu socialiste » et d'un « milieu catholique » dotés de leurs propres structures sociales (écoles, associations, partis, syndicats, etc.).

7 Jürgen Habermas: Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit. – Frankfurt/Main 2022 (= Un nouveau changement structurel de l’espace politique publique)

8 Par exemple contre la présidente démocratiquement élue des Scouts et Guides de France : https://www.lemonde.fr/societe/article/2025/08/06/scouts-et-guides-de-france-la-presidente-marine-rosset-annonce-sa-demission_6627119_3224.html (14 août 2025)

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Friedrich Merz vor dem gordischen Knoten der deutschen und europäischen Politik

„Du hast keine Chance, also nutze sie!“1

Der „gordische Knoten“ steht hier für eine deutsche und europäische politische Gemengelage voller Widersprüche, die zudem vielfach miteinander verknüpft sind. Dazu gehört z.B., dass Friedrich Merz sich im Wahlkampf als Entscheider und Macher, als CEO der Deutschland-AG, inszeniert hat, der Probleme anpackt und schnell löst, obwohl klar war, dass er mit einer Partei koalieren muss, die viele seiner Ideen ablehnt. Die Gegensätze zwischen CDU und SPD lassen sich grob so beschreiben : Die Liberal-Konservativen der Merz-CDU geben Freiheit den Vorrang vor Gleichheit, für sie geht privat vor Staat, Leistung vor Verteilung, Subsidiarität vor Solidarität und Verantwortungs- vor Gesinnungsethik. Sozialdemokraten sehen dies genau umgekehrt. Durch die Mitarbeit der bayerischen CSU unter ihrem Parteichef Markus Söder vertiefen sich diese Gräben noch mehr, insbesondere weil er permanent eine staatskeptische Haltung propagiert und gleichzeitig fordert, dass eine gute Regierung alle Probleme lösen müsse.

Für Friedrich Merz gilt hingegen vor allem, dass er als engagierter Verfechter der Schuldenbremse und der deutschen Wirtschaft jetzt eine Wirtschaftspolitik machen muss, die mehr auf Binnen-nachfrage in Deutschland und Europa setzt und die noch viel zu großen Barrieren des EU-Binnenmarkts, die oft von deutschen Unternehmen mit Zähnen und Klauen verteidigt werden, einreisst. Also nichts weniger als eine fundamentale Neujustierung des bisherigen deutschen Geschäftsmodells.

Bislang (im Wahlkampf und in den öffentlichen Diskussionen danach) noch völlig unbeachtet ist die Tatsache, dass es – „unter der Bettdecke“ gewissermaßen – noch weitere erhebliche Probleme gibt, die in den nächsten Jahren zunehmend wichtig werden : einen gigantischen Berg an verdeckten Verbindlichkeiten für Renten, Pensionen und die Gesundheitsversorgung der alternden Gesellschaft zum Beispiel. Diese Verpflichtungen werden von Fachleuten auf über 400 Prozent des BIP geschätzt. Daneben dürfte der Wunsch nach einer Wiederbelebung der Wehrpflicht mit dem Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften kollidieren ; die naheliegende Lösung – mehr Zuwanderung – dürfte wiederum mit dem derzeit gepflegten Migrationsdiskurs nicht zu verbinden sein.
In der Außenpolitik muss der überzeugte Transatlantiker Merz sich mit einem EU- und Deutschenfeind im Weißen Haus auseinandersetzen und die Idee des freien Westens gegen Trump und Putin gleichzeitig verteidigen. Derzeit sind seine Versuche einer Kurskorrektur und eines Übernehmens der Traditionen von Adenauer und Kohl so stark, das manche Zeitungen ihn schon als „Gaullisten aus dem Sauerland“ beschreiben. Und das in einer vermuteten Koalition mit einer SPD, sie sich zu Zeiten von Scholz und Biden fest an die USA und deren Strategien gebunden hat.

In der EU hat Merz neben seinen intensiven Kontakten zu Macron auch so beste Voraussetzungen seine Ideen voran zu bringen : Die Kommissionspräsidentin, 13 der 27 EU-Kommissare, die Mehrheiten in den Ministerräten gehören ebenso zu seiner Parteienfamilie der EVP wie die stärkste Fraktion im EU-Parlament. Und diese erwarten von ihm, dass er seine „disruptive“ Politik fortsetzt und das „german vote“, mit dem viele Entscheidungen in der EU blockiert wurden, beendet und die bisherigen Tabus in der Verteidigungs- und Fiskalpolitik hinter sich lässt. Und das sind noch lange nicht alle Zwänge und Widersprüche, die sich da als „gordischer Knoten“ vor Friedrich Merz auftürmen !

Und anders als Alexander der Große kann er diesen Knoten nicht mit einem Hieb durchschlagen ; denn in der deutschen Kompromiss-Demokratie muss er, der Olaf Scholz mal als „Klempner der Macht“ verhöhnt hat, jetzt zeigen, dass er nicht nur das große Ganze im Blick hat, sondern auch die kommunikativen Röhren und Stellschrauben kennt und bedienen kann, die in diesen wilden Zeiten für den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens so wichtig sind. Denn es braucht in Deutschland und Europa jetzt eine fähige, starke, durch und durch demokratisch denkende Führungskraft, die für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und Europa eine klare und einheitliche Zukunftsvision hat. Die die richtigen kreativen und effizienten Problemlöser um sich versammelt und zusammen das System von Grund auf erneuert und fit für die Zukunft macht. Angesichts der drohenden „Alternative für Deutschland“ und Europa durch die Trump-Putin- Doktrin, die für die EU dieselbe Zukunft wie für die Ukraine plant : Zerstörung des Bestehenden und Installierung von möglichst vielen moskauhörigen Marionettenregierungen in Budapest, Rom, Berlin, Paris, Wien, Bratislava, .. bleibt uns nichts anderes übrig als zu hoffen, dass Friedrich Merz zu dem Friedrich dem Großen wird als den er sich schon seit langem sieht.
Zudem müssen auch wir an der demokratischen Basis europäisch zusammen stehen, denn von dem beschriebenen Schreckensszenario sind wir sind alle bedroht. Demgegenüber kann demokratische Hoffnung nur konsequent aufklärerisch sein und mit gedanklicher und gesellschaftlicher Aktivität verbunden,sein. Und das heisst eben auch : mit Arbeit und mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Der Bereitschaft, selber zu denken, aber nie nur an sich allein. So wird es uns gelingen, Ideen und Konzepte für ein anderes Europa zu entwickeln, zu diskutieren und in die politische Debatte einzuspeisen.

1 Ein Spontispruch der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, mit dem in Zeiten extrem hoher Jugendarbeits-losigkeit die penetrant optimistische Individualisierung eines zentralen gesellschaftlichen Problems ins Lächerliche gezogen wurde

Da die politischen Ereignisse sich derzeit überschlagen und von jetzt auf gleich wegweisende Entscheidungen verkündet werden, dokumentiere ich lieber den Zeitpunkt, an dem ich dies schreibe : Freitag, 14. März 2025, ca. 14.00h

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Friedrich Merz face au nœud gordien de la politique allemande et européenne

« Tu n’as aucune chance, alors ! »1

Le « nœud gordien » représente ici un mélange politique allemand et européen plein de contradictions, qui sont en outre souvent liées entre elles. On peut citer par exemple le fait que Friedrich Merz se soit mis en scène pendant la campagne électorale comme un décideur et un homme d’action, le CEO de la Deutschland-AG, qui s’attaque aux problèmes et les résout rapidement, alors qu’il était clair qu’il devrait former une coalition avec un parti qui rejette nombre de ses idées. Les contradictions entre la CDU et le SPD peuvent être grossièrement décrites ainsi : les libéraux-conservateurs de la CDU de Merz donnent la priorité à la liberté sur l’égalité, pour eux le privé prime sur l’État, la performance sur la répartition, la subsidiarité sur la solidarité et l’éthique de responsabilité sur l’éthique de conviction. Les sociaux-démocrates voient les choses exactement à l’inverse. La collaboration de la CSU bavaroise, sous la houlette de son chef de parti Markus Söder, ne fait qu’accentuer ces clivages, notamment parce qu’il propage en permanence une attitude sceptique vis-à-vis de l’État tout en exigeant qu’un bon gouvernement résolve tous les problèmes.

Pour Friedrich Merz, en revanche, il s’agit avant tout, en tant que défenseur engagé du frein à l’endettement et de l’économie allemande, de mettre en place une politique économique qui mise davantage sur la demande intérieure en Allemagne et en Europe et qui fasse tomber les barrières encore bien trop importantes du marché intérieur de l’UE, souvent défendues bec et ongles par les entreprises allemandes. En d’autres termes, rien de moins qu’un réajustement fondamental du modèle économique allemand actuel.

Jusqu’à présent (pendant la campagne électorale et dans les débats publics qui ont suivi), le fait qu’il existe – « sous la couette » en quelque sorte – d’autres problèmes considérables qui deviendront de plus en plus importants dans les années à venir a été totalement ignoré : une gigantesque montagne d’engagements cachés pour les pensions, les retraites et les soins de santé d’une société vieillissante, par exemple. Les spécialistes estiment ces engagements à plus de 400 pour cent du PIB. Par ailleurs, le souhait de relancer le service militaire obligatoire risque de se heurter aux besoins de l’économie en main-d’œuvre qualifiée ; la solution évidente – plus d’immigration – risque à son tour de ne pas être compatible avec le discours actuellement tenu sur l’immigration.
En politique étrangère, Merz, transatlantique convaincu, doit faire face à un ennemi de l’UE et des Allemands à la Maison Blanche, tout en défendant l’idée d’un Occident libre contre Trump et Poutine. Actuellement, ses tentatives de corriger le tir et de reprendre les traditions d’Adenauer et de Kohl sont si fortes que certains journaux le décrivent déjà comme un « gaulliste du Sauerland ».
Et cela dans une coalition présumée avec un SPD qui, à l’époque de Scholz et Biden, s’est fermement engagé auprès des États-Unis et de leurs stratégies.

Au sein de l’UE, outre ses contacts intensifs avec Macron, Merz dispose ainsi des meilleures conditions pour faire avancer ses idées : la présidente de la Commission, 13 des 27 commissaires européens, les majorités dans les conseils des ministres appartiennent autant à sa famille de partis du PPE que le groupe le plus fort au Parlement européen. Et ces derniers attendent de lui qu’il poursuive sa politique « disruptive », qu’il mette fin au « vote allemand » qui a permis de bloquer de nombreuses décisions au sein de l’UE et qu’il laisse derrière les tabous actuels en matière de politique de défense et de politique fiscale. Et c’est loin d’être la totalité des contraintes et des contradictions qui s’accumulent comme un « nœud gordien » devant Friedrich Merz !

Et contrairement à Alexandre le Grand, il ne peut pas trancher ce nœud d’un seul coup ; car dans la démocratie de compromis allemande, celui qui s’est un jour moqué d’Olaf Scholz en le qualifiant de « plombier du pouvoir » doit maintenant montrer qu’il n’a pas seulement une vue d’ensemble, mais qu’il connaît et peut aussi actionner les tuyaux et les vis de réglage communicatifs qui sont si importants en ces temps sauvages pour la cohésion de notre communauté.
Car l’Allemagne et l’Europe ont désormais besoin d’un gouvernement capable, fort et foncièrement démocratique. Un dirigeant qui a une vision claire et cohérente de l’avenir de la troisième économie mondiale et de l’Europe. Qui rassemble autour de lui les bonnes personnes créatives et efficaces pour résoudre les problèmes et qui, ensemble, renouvellent le système de fond en comble et le préparent pour l’avenir. Face à la menace d’une « alternative pour l’Allemagne » et l’Europe par la doctrine Trump-Poutine, qui prévoit pour l’UE le même avenir que pour l’Ukraine : la destruction de l’existant et l’installation d’un maximum de gouvernements fantoches moscovites à Budapest, Rome, Berlin, Paris, Vienne, Bratislava… il ne nous reste plus qu’à espérer que Friedrich Merz devienne le Friedrich le Grand qu’il se voit être depuis longtemps déjà.
En outre, nous devons nous unir à la base démocratique européenne, car nous sommes tous menacés par le scénario d’horreur décrit. Face à cela, l’espoir démocratique ne peut être que résolument éclairé et lié à l’activité intellectuelle et sociale. Et cela signifie aussi : avec du travail et la volonté d’assumer des responsabilités. La disposition à penser par soi-même, mais jamais seulement à soi-même. C’est ainsi que nous parviendrons à développer des idées et des concepts pour une autre Europe, à en discuter et à les intégrer dans le débat politique.

1 Un slogan des années 70 et 80 du siècle dernier qui, à une époque où le taux de chômage des jeunes était extrêmement élevé, tournait en ridicule l'individualisation optimiste d'un problème social central.

Étant donné que les événements politiques s’accélèrent actuellement et que des décisions importantes sont annoncées d’un moment à l’autre, je préfère documenter le moment où j’écris ceci : vendredi 14 mars 2025, vers 14h00.

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„Denk ich an Deutschland in der Nacht …

… dann bin ich um den Schlaf gebracht.“
Diese berühmte Zeile aus einem 1844 entstandenen Gedicht des in Düsseldorf als Jude geborenen Heinrich Heine, der seine zweite Lebenshälfte im Exil in Paris verbringen musste, fiel mir ein als ich gebeten wurde, einen Beitrag zur aktuellen Situation in Deutschland zu schreiben. Dies tue ich gerne, auch wenn meine Ausführungen das, was Emmanuel Morucci in seinem Beitrag „Nouvelle commission : défis et enjeux pour l’UE“ für Europa beschrieben hat, nur auf die Situation in Deutschland herunterbrechen. Europa ist halt so eng miteinander verflochten, dass uns selbst unsere Probleme verbinden.

Der wirtschaftliche Umbruch in Deutschland ist schon seit langem eine Folge der Klimakrise, die einen ökologischen Umbau der Wirtschaft nötig macht. Welche Folgen es für deutsche Unternehmen, speziell der Autoindustrie, haben kann, darauf nicht schnell und kompetent genug zu reagieren, zeigen die aktuellen Ereignisse rund um Volkswagen und die Autozulieferindustrie, bei denen Entlassungen von mehreren zehntausend Stellen drohen.

Außerdem zeigt sich jetzt, dass es ein eklatanter politischer Fehler war, die finanziellen Spielräume die die günstigen Zinsen in den 10er Jahren eröffnet hatten, für das Erreichen einer „schwarzen Null“1 statt für die Erhaltung der Bahn, der Brücken und Straßen oder den Aufbau moderner Bildungseinrichtungen und einer vorbildlichen digitalen Infrastruktur zu nutzen. Seit dem 24. Februar 2022 und dem Überfall von Putin-Russland auf die Ukraine ist das deutsche „Geschäftsmodell“ komplett aus dem Ruder geraten : es gibt kein billiges Erdgas aus Russland mehr und die sog. „Friedensdividende“2 muss – bei wieder steigenden Zinsen für die weiterhin im großen Maße vorhandenen Altzinsen (ca. 62% des BIP) – durch eine deutliche Erhöhung der Ausgaben für die Verteidigung ersetzt werden.

Wirtschaftspolitisch führt all das zu polarisierenden Antwortvorschlägen. Während die einen – wie die AfD – den menschengemachten Klimawandel leugnen und eine putinfreundliche Außenpolitik fordern, damit wir in Russland wieder billiges Erdgas kaufen können, verärgern die anderen – wie Wirtschaftsminister Habeck von den Grünen – viele Transformationsbereite durch stümperhafte Gesetzesvorschläge und immer neue Forderungen nach Subventionsmilliarden für schwächelnde Industrien ; wieder andere wie die CDU/CSU und die FDP sehen das Heil im sog. Bürokratieabbau und in der Kürzung von sozialen Leistungen und erklären die Migration „zur Mutter aller Probleme“. Bundeskanzler Scholz und die SPD wollten bis vor kurzem keine Wirtschaftskrise erkennen und fordern den Erhalt bzw. den weiteren Ausbau sozialer Leistungen wie der Rente. Das alles verlangt von den verantwortlichen Politikern die „Quadratur des Kreises“ und mitten im Streit das Finden von tragfähigen Kompromissen, genau das Gegenteil von viel zu viel Dramatisierung und Polarisierung. (Noch) ist nicht zu erkennen, wo die politischen Führungskräfte herkommen sollen, die in der Lage sein könnten, diesen Widerspruch nach und nach aufzulösen.

Kurz und gut : Deutschland befindet sich seit einigen Jahren in einem wirtschaftlichen und politischen Umbruch und Situationen des Umbruchs bringen Polarisierungen hervor wie schon Hannah Arendt beobachtet hat. Dies wiederum erfordert, den öffentlichen Raum nicht den Polarisieren und Extremisten zu überlassen, sondern diesen mit Hilfe von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie dem CECI demokratisch, pro-europäisch und aufklärerisch zu besetzen.

Die politische Krise Deutschlands besteht meines Erachtens nach schon seit der sog.
Wiedervereinigung und der damit verbundenen Wiedererlangung der vollständigen Souveränität Deutschlands. Denn wir sind uns noch uneins, was das bedeuten kann und soll. Wollen wir nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch eine Großmacht sein, nur ohne Atomwaffen und Sitz im UN-
Sicherheitsrat ? Und wollen wir tatsächlich, dass in der EU wieder „deutsch gesprochen“ wird wie es ein enger Mitarbeiter von Angela Merkel vor einigen Jahren formulierte ? Eine friedliebende, kooperative, aber machtbewusste Alternative haben wir leider noch nicht gefunden.

Gleichzeitig sind wir uns nicht einig über den – vor allem militärischen – Preis, den wir dafür bereit sind zu zahlen und ob bzw. wie wir den Einsatz von deutschem Militär in Mittel- und Osteuropa, aber auch in Afrika und Asien vor der deutschen Geschichte rechtfertigen können und wollen. Eine Frage, die wir vermutlich nicht alleine, sondern nur im europäischen Kontext – z.B. gemeinsam mit Franzosen, Polen, Ukrainern, … – diskutieren und beantworten können. Und nach unserem fatalen Irrweg im Hinblick auf Nord-Stream II und vielem anderen mehr, täte es uns und der Qualität unserer Entscheidungen gut, mehr auf unsere Nachbarn zu hören und nicht weiter den Alleingang zu wagen.

Die Migrationspolitik ist zu einem zweiten großen Streitpunkt gemacht worden, leider nicht nur von rechtsextremen Parteien wie der AfD, sondern auch von Verantwortlichen der CDU/CSU und selbst von Verantwortlichen der SPD und der Grünen. Dabei wäre hier ein nüchterner Blick auf die Sachlage angebracht. Natürlich kostet uns die Aufnahme der vielen Flüchtlinge und Migranten viel Geld und viele Mühen, doch ist zu bezweifeln, dass die propagierte Schließung unserer Grenzen für die sog. „illegale Zuwanderung“ unsere Energie verbilligen, die Klimakrise entschärfen, die Bahntrassen reparieren oder die Digitalisierung voranbringen würde. Im Gegenteil – angesichts des auch in Deutschland wirksamen demographischen Wandels – werden wir zur Lösung all dieser Probleme in Zukunft Zuwanderung in großem Maße brauchen, wenn wir unseren Wohlstand auch nur einigermaßen erhalten wollen. Und andererseits werden – meiner Meinung nach – auch noch so hohe Grenzzäune nicht verhindern, dass die illegale Zuwanderung weiter geht. Die aktuelle Entwicklung der Kriege und Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten lässt zudem befürchten, dass die Zahl der Flüchtlinge schon in den nächsten Monaten drastisch ansteigt. Wie wollen diese Politiker dann ein gesellschaftliches Klima schaffen, dass die dann nötigen Anstrengungen zur Aufnahme der „legalen Flüchtlinge“ ermöglicht oder wollen sie diese dann auch an unseren Grenzen abweisen ? Das wäre eine politische und moralische Katastrophe, die allen europäischen Werten komplett widerspricht.

Dass all das auch zu Verwerfungen im Bereich der politischen Parteien führt, ist keine Überraschung, erschwert aber die Findung von konstruktiven politischen Mehrheiten. Drei Entwicklungen sind – meiner Meinung nach – dabei besonders bemerkenswert : a) die Ampel- Regierung und ihr katastrophales Ende lässt befürchten, dass die Idee einer lagerübergreifenden Koalition3 für die nächsten Jahre verbrannt ist, obwohl wir womöglich genau das in den nächsten Jahren dringend benötigen werden, b) der denkwürdige Missbrauch der FDP unseres parlamentarischen System (Stichwort : D‑Day-Papier4), droht nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit, sondern auch die des gesamten Systems in Frage zu stellen, was c) den extremistischen Parteien in die Karten spielt, die nach Argumenten suchen, einen „Systemwandel“ zu fordern. Und das eigentlich Erschreckende ist dabei, wie viele Menschen in West und Ost5 bereit sind, die Bindung Deutschlands an den „Westen“ in Frage zu stellen und durch ein Bündnis mit Putin-Russland zu ersetzen und alle demokratischen Errungenschaften in Frage zu stellen.

In dieser Situation der grundlegenden Neu-Orientierung müssen meiner Meinung nach zivilgesellschaftliche Organisationen wie der CECI den europäischen, öffentlichen Raum besetzen und das gemeinsame Nachdenken über die Probleme unserer Gesellschaften voran treiben, am besten auch im Format des „Weimarer Dreiecks“ um eine Brücke nach Mittel- und Osteuropa schlagen zu können.

1 „schwarze Null“ meint, dass der jährliche Haushalt des Staates ausgeglichen sein oder einen geringfügigen Überschuss aufweisen soll

2 Mit „Friedensdividende“ sind die stark gesunkenen Kosten für die Bundeswehr gemeint, die sich aus der Aussetzung der Wehrpflicht, der Verringerung der Zahl der Soldaten und Standorte und der Verschlechterung der Ausstattung ergeben

3 Während es in der Vergangenheit meist reichte, wenn 2 Parteien aus demselben politischen Lager eine Koalition bildeten (CDU/CSU und FDP einerseits oder SPD und Grüne andererseits) und nur die sog. Große Koalition von CDU/CSU und SPD eine Ausnahme bildete, war es 2021 wg, des Einzugs der AfD in den Bundestag nötig, dass 3 Parteien (SPD, Grüne als eher linke Parteien einerseits und die FDP als eher rechte Partei andererseits) zusammen arbeiten, damit eine Mehrheit zustande kommen konnte; solange die Extremisten so stark sind wie dies die Umfragen prognostizieren (ca. 20%), dürfte dies in Zukunft des öfteren der Fall sein

4 Die FDP hat offensichtlich schon seit dem Spätsommer intern einen Bruch der Ampel-Koalition vorbereitet und das Planungspapier dazu – in Anlehnung an das Code-Wort des us-amerikanischen Militärs für die Landung 1944 in der Normandie - mit „D-Day-Papier“ betitelt und auch ansonsten mit militärischen Begriffen („offene Feldschlacht“ etc.) nicht gespart; der Parteivorsitzende beteuert, dieses Papier nicht gekannt zu haben, obwohl sein enger Mitarbeiter, der Bundesgeschäftsführer der FDP, den Textentwurf erstellt hat; mehrere renommierte Medien berichten aktuell, dass das alles wenig glaubhaft ist, an Wahlbetrug grenzt und zum Rücktritt von Herrn Lindner führen müsste 

5 Zur aktuellen Situation Ostdeutschland und den französisch-ostdeutschen Beziehungen s. jetzt auch Paul Maurice:
Trente-cinq ans après la chute du mur de Berlin : à l’Est quoi de nouveau ?, à télécharger ici:
https://www.ifri.org/sites/default/files/2024-
11/p._maurice_briefing_35_ans_apres_le_chute_du_mur_de_berlin_nov_2024.pdf
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« Quand je pense à l’Allemagne la nuit…

… alors je suis privé de sommeil ».
Ce vers célèbre d’un poème écrit en 1844 par Heinrich Heine, né juif à Düsseldorf et contraint de passer la seconde moitié de sa vie en exil à Paris, m’est revenu à l’esprit lorsqu’on m’a demandé d’écrire une contribution sur la situation actuelle en Allemagne. C’est ce que je fais volontiers, même si mes propos ne font que transposer à la situation allemande ce qu’Emmanuel Morucci a décrit pour l’Europe dans son article « Nouvelle commission : défis et enjeux pour l’UE ».
L’Europe est si étroitement liée que même nos problèmes nous unissent.

Le bouleversement économique en Allemagne est depuis longtemps une conséquence de la crise climatique, qui rend nécessaire une transformation écologique de l’économie. Les événements actuels autour de Volkswagen et de l’industrie des sous-traitants automobiles, où plusieurs dizaines de milliers d’emplois sont menacés, montrent les conséquences que peut avoir pour les entreprises allemandes, en particulier dans l’industrie automobile, le fait de ne pas réagir assez rapidement et de manière compétente.

En outre, il apparaît aujourd’hui que c’était une erreur politique flagrante d’utiliser la marge de manœuvre financière ouverte par les taux d’intérêt avantageux des années 10 pour atteindre le « zéro noir » 1 au lieu de l’utiliser pour l’entretien des chemins de fer, des ponts et des routes ou pour la construction d’établissements d’enseignement modernes et d’une infrastructure numérique exemplaire.
Depuis le 24 février 2022 et l’invasion de l’Ukraine par la Russie de Poutine, l’Allemagne est « modèle d’affaires » complètement déréglé : il n’y a plus de gaz naturel bon marché en provenance de Russie et les soi-disant « dividendes de la paix » 2 doivent être remplacés – alors que les taux d’intérêt sur les intérêts anciens continuent à augmenter dans une large mesure (environ 62% du PIB) – par une augmentation significative des dépenses pour la défense.

En matière de politique économique, tout cela conduit à des propositions de réponses polarisées. Tandis que les uns – comme l’AfD – nient le changement climatique provoqué par l’homme et exigent une politique étrangère favorable à Poutine afin que nous puissions à nouveau acheter du gaz naturel bon marché en Russie, les autres – comme le ministre de l’économie Habeck des Verts – irritent de nombreuses personnes prêtes à la transformation par des propositions de loi bâclées et des demandes répétées de milliards de subventions pour les industries en perte de vitesse ; d’autres encore, comme la CDU/CSU et le FDP, voient le salut dans la soi-disant réduction de la bureaucratie et des prestations sociales et déclarent que la migration est « la mère de tous les problèmes ». Le chancelier Scholz et le SPD ne voulaient pas, jusqu’à récemment, reconnaître la crise économique et exigent le maintien ou la poursuite du développement des prestations sociales comme la retraite. Tout cela exige des politiques responsables qu’ils fassent la « quadrature du cercle » et qu’ils trouvent des compromis viables au milieu des querelles, exactement le contraire de beaucoup trop de dramatisation et de polarisation. On ne voit pas (encore) d’où pourraient venir les dirigeants politiques qui seraient en mesure de résoudre progressivement cette contradiction.

En résumé, l’Allemagne se trouve depuis quelques années dans une période de bouleversements économiques et politiques et les situations de bouleversements engendrent des polarisations, comme l’avait déjà observé Hannah Arendt. Cela exige à son tour de ne pas laisser l’espace public aux polaristes et aux extrémistes, mais de l’occuper de manière démocratique, pro-européenne et éclairée avec l’aide d’organisations de la société civile comme le CECI.

Je pense que la crise politique de l’Allemagne existe depuis la soi-disant réunification et le rétablissement de la pleine souveraineté qui en a découlé. Car nous ne sommes pas encore d’accord sur ce que cela peut et doit signifier. Voulons-nous être une grande puissance non seulement économiquement, mais aussi politiquement, mais sans armes nucléaires ni siège au Conseil de sécurité de l’ONU ? Et voulons-nous vraiment que l’on « parle allemand » dans l’UE, comme l’a formulé un proche collaborateur d’Angela Merkel il y a quelques années ? Nous n’avons malheureusement pas encore trouvé d’alternative pacifique, coopérative, mais consciente de sa puissance.

En même temps, nous ne sommes pas d’accord sur le prix – surtout militaire – que nous sommes prêts à payer pour cela et si, ou comment, nous pouvons et voulons justifier devant l’histoire allemande l’engagement de l’armée allemande en Europe centrale et orientale, mais aussi en Afrique et en Asie.
Une question que nous ne pouvons probablement pas discuter et à laquelle nous ne pouvons répondre seuls, mais seulement dans le contexte européen – par exemple avec les Français, les Polonais, les Ukrainiens, .… Et après notre erreur fatale concernant Nord-Stream II et bien d’autres choses encore, il serait bon pour nous et pour la qualité de nos décisions d’écouter davantage nos voisins et de ne pas continuer à faire cavalier seul.

La politique migratoire a été transformée en un deuxième grand sujet de discorde, malheureusement pas seulement par les partis d’extrême droite comme l’AfD, mais aussi par des responsables de la CDU/CSU et même par des responsables du SPD et des Verts. Il conviendrait pourtant de jeter un regard lucide sur la situation. Bien sûr, l’accueil des nombreux réfugiés et migrants nous coûte beaucoup d’argent et d’efforts, mais il est douteux que la fermeture de nos frontières à la soi-disant « immigration illégale », telle qu’elle est propagée, réduise le prix de notre énergie, désamorce la crise climatique, répare les voies ferrées ou fasse avancer la numérisation. Au contraire – compte tenu du changement démographique qui agit également en Allemagne – nous aurons besoin à l’avenir d’une immigration importante pour résoudre tous ces problèmes si nous voulons maintenir notre prospérité, ne serait-ce que dans une certaine mesure. Et d’un autre côté – à mon avis – les clôtures frontalières, aussi élevées soient-elles, n’empêcheront pas l’immigration illégale de se poursuivre. L’évolution actuelle des guerres et des conflits en Ukraine et au Proche-Orient fait en outre craindre une augmentation drastique du nombre de réfugiés dès les prochains mois. Comment ces politiques entendent-ils alors créer un climat social qui permette les efforts alors nécessaires pour accueillir les « réfugiés légaux » ou veulent-ils alors également les refouler à nos frontières ? Ce serait une catastrophe politique et morale qui irait complètement à l’encontre de toutes les valeurs européennes.

Il n’est pas surprenant que tout cela conduise également à des distorsions dans le domaine des partis politiques, mais cela rend plus difficile la recherche de majorités politiques constructives. Trois développements sont – à mon avis – particulièrement remarquables :
a) le gouvernement des feux de signalisation et sa fin catastrophique font craindre que l’idée d’une coalition entre les différents partis soit abandonnée3 pour les années à venir, alors que c’est précisément ce dont nous aurons besoin dans les années à venir,
b) l’abus mémorable du FDP de notre système parlementaire (mot-clé : D‑Day- Papier4), risque de remettre en question non seulement sa propre crédibilité, mais aussi celle de l’ensemble du système,
c) ce qui permet aux partis extrémistes de se développer dans le pays qui cherchent des arguments pour exiger un « changement de système ». Et ce qui est vraiment effrayant, c’est de voir combien de personnes à l’Ouest et à l’Est5 sont prêtes à remettre en question les liens de l’Allemagne avec « l’Occident » et à les remplacer par une alliance avec la Russie de Poutine et à remettre en question tous les acquis démocratiques.

Dans cette situation de réorientation fondamentale, je pense que les organisations de la société civile comme le CECI doivent occuper l’espace public européen et faire avancer la réflexion commune sur les problèmes de nos sociétés, de préférence aussi dans le format du « Triangle de Weimar » afin de pouvoir jeter un pont vers l’Europe centrale et orientale.

1 "Zéro noir" signifie que le budget annuel des administrations publiques doit être équilibré ou présenter un léger excédent

2 Par "dividendes de la paix", on entend la forte baisse des coûts de la Bundeswehr résultant de la suspension du service militaire obligatoire, de la réduction du nombre de soldats et de sites et de la détérioration des équipements de l'Allemagne.

3 Alors que par le passé, il suffisait généralement que 2 partis du même camp politique forment une coalition (CDU/CSU et FDP d'une part ou SPD et Verts d'autre part) et que seule la soi-disant coalition de gauche (CDU/CSU) faisait exception. En 2021, en raison de l'entrée de l'AfD au Bundestag, il était nécessaire que trois partis (le SPD et les Verts, plutôt de gauche, d'une part, et le FDP, plutôt de droite, d'autre part) travaillent ensemble pour former une majorité ; tant que les extrémistes seront aussi forts que le prévoient les sondages (environ 20%), cela devrait arriver souvent à l'avenir.

4 Le FDP a manifestement préparé en interne depuis la fin de l'été une rupture de la coalition Ampel et a intitulé le document de planification à cet effet - en référence au mot-clé de l'armée américaine pour le débarquement de 1944 en Normandie - "D-Day-Papier" et a également utilisé des termes militaires ("bataille ouverte", etc.).) ; le président du parti affirme ne pas avoir eu connaissance de ce document, bien que son proche collaborateur, le directeur fédéral du FDP, ait rédigé le projet de texte ; plusieurs médias renommés rapportent actuellement que tout cela est peu crédible, confine à la fraude électorale et devrait conduire à la démission de M. Lindner.

5 Sur la situation actuelle de l'Allemagne de l'Est et les relations franco-allemandes, voir aussi maintenant Paul Maurice : Trente-cinq ans après la chute du mur de Berlin : à l'Est quoi de nouveau ?, à télécharger ici :
https://www.ifri.org/sites/default/files/2024-11/p._maurice_briefing_35_ans_apres_le_chute_du_mur_de_berlin_nov_2024.pdf

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Déclaration de Fürstenried

Reconnaître et promouvoir le potentiel des échanges internationaux de jeunes et d’élèves

Nous, participants à la 2e conférence spécialisée sur les échanges de jeunes et d’élèves « Vivre la diversité – renforcer la reconnaissance », sommes d’accord sur le fait que les rencontres et les échanges internationaux de jeunes – scolaires, extrascolaires et dans le cadre de la formation professionnelle, individuels et en groupe, à court et à long terme – ont des effets individuels et sociaux profonds et durables.

L’échange et la rencontre recèlent un potentiel extraordinaire grâce à la diversité des formats d’offre. Indépendamment des capacités individuelles, des charges, des intérêts, des désavantages structurels ou des ressources socio‑économiques, ils permettent à tous les jeunes de découvrir ou d’élargir leurs propres capacités et compétences. Ils déploient ainsi une force d’intégration particulière.

Des concepts pédagogiques efficaces et éprouvés constituent la base de notre travail.
Pour cela, nous proposons une infrastructure variée et bien établie, tant au niveau du personnel que des bénévoles, ainsi qu’une diversité d’offres avec une multitude de relations fiables avec de nombreuses organisations partenaires internationales. Nous assumons ainsi une tâche essentielle dans notre société diversifiée.

Nous sommes convaincus que les échanges internationaux de jeunes et les rencontres de jeunes ont des potentiels que nous voulons développer ensemble :

Dimension individuelle
Les échanges internationaux de jeunes et les rencontres de jeunes contribuent au développement personnel et éducatif. Ils y parviennent notamment en faisant la connaissance de personnes d’horizons culturels différents, dans de nouveaux environnements d’apprentissage, avec des settings d’apprentissage actifs et en faisant l’expérience de la responsabilité et de l’efficacité personnelle.

Dimension sociale
En tant que lieux d’apprentissage participatifs particuliers, les échanges internationaux de jeunes et les rencontres de jeunes permettent aux jeunes de mener des discussions avec d’autres et de changer de perspective. Grâce à la diversité des formats, les échanges et les rencontres ont des effets intégrateurs et inclusifs. Ce sont des offres éducatives qui conviennent à TOUS les jeunes. Dans l’optique de la participation et de l’égalité des chances, ils doivent donc être ouverts à TOUS sans conditions préalables et sur un pied d’égalité.

Dimension politique
Les échanges et les rencontres de jeunes sont des éléments essentiels de l’éducation à l’heure des défis mondiaux : ils contribuent à promouvoir les valeurs démocratiques, la participation active et la compréhension internationale. Ils renforcent la conscience sociopolitique et l’engagement citoyen. Ils permettent de faire des expériences d’efficacité personnelle et de découvrir les possibilités d’organisation et de changement des conditions sociales.

Nous encourageons donc les décideurs politiques,

  • à reconnaître les échanges internationaux de jeunes et les rencontres de jeunes comme des instruments de promotion d’une société ouverte et démocratique,
  • à se concerter à tous les niveaux politiques avec tous les ministères sur une stratégie globale en matière d’échanges et de rencontres de jeunes,
  • à créer des conditions structurelles et financières appropriées pour l’échange et la rencontre

Concrètement, il faut …

  • l’ancrage des échanges internationaux de jeunes et des rencontres de jeunes en tant que parties évidentes de la biographie éducative de chaque jeune dans toutes les écoles de tous les types, dans la formation en entreprise et dans le travail social auprès des jeunes et de la jeunesse,
  • la coopération fiable des écoles et des organismes d’animation jeunesse avec les parties prenantes de la politique, de l’administration, de l’économie et de la société civile,
  • des efforts conjoints pour informer TOUS les jeunes sur les offres d’échanges et de rencontres de jeunes, les encourager à y participer et lever les obstacles,
  • l’implication accrue des jeunes et des anciens participants dans l’information sur les échanges et les rencontres de jeunes, ainsi que dans leur développement,
  • la reconnaissance claire de l’importance d’une expérience internationale pour les jeunes.

Ensemble, nous contribuons ainsi à un monde dans lequel la diversité, la rencontre et la compréhension vont de soi.
Munich-Fürstenried, le 15 novembre 2023 

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Le « Mouvement européen Allemagne » offre des opportunités insoupçonnées pour la salle de classe européenne !

Europa (un-)limited – Une Europe sans limites ?
71e Concours européen

L’Europe n’est pas ennuyeuse ! Nous encourageons la créativité et les compétences européennes de plus de 70.000 élèves chaque année de la première classe jusqu’aux écoles professionnelles. Le concours est ouvert jusqu’à fin février 2024.
Rendez-vous à cette page pour le pdf des différents modules

Et voici comment fonctionne la participation au concours

Pour les classes françaises, il est recommandé de travailler avec une école allemande dans le cadre du « Module particulier » et d’effectuer une recherche via l’option « Recherche de partenaires » de la plate-forme eTwinning à l’adresse suivante.
(Une inscription qui vaut le coup !)

Bonne chance.

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Europawahl 2024 – so fern und doch so nah

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Im Frühsommer 2024 wird die nächste Europawahl stattfinden und auch wenn das noch weit entfernt zu sein scheint, laufen die ersten politischen Manöver schon, um danach die Mehrheit im Parlament zu erreichen und auszubauen und darauf aufbauend die Präsidentschaft der EU-Kommission zu erreichen. Manfred Weber, der bei der letzten Wahl siegreiche, aber von Ursula von der Leyen ausgebootete Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei ist dabei besonders aktiv.

Zum einen hat er seine eigene Position gestärkt, weil er neben dem Vorsitz der Fraktion jetzt auch den Vorsitz der Europäischen Volkspartei übernommen hat. Auch wenn dieser Posten bislang eher eine Repräsentationsaufgabe darstellte bietet er ihm aber immerhin die Möglichkeit, auf die postfaschistische Partei der italienischen Ministerpräsidentin Meloni zuzugehen, um deren Abgeordnete im Europaparlament in seine Fraktion aufzunehmen und so den Status als größte Fraktion abzusichern.

Schade nur, dass dieses Manöver ihm einige Probleme in seiner deutschen Heimat einbringt, da Melonis Parteifreunde in Deutschland eher die Zusammenarbeit mit der AfD suchen, was diese wiederum veranlasst, von einer großen rechten Opposition zu träumen. Da sich die Führungen von CDU und CSU derzeit aber eher von der AfD abgrenzen wollen, sind ihnen diese Weber’schen Annäherungsversuche eher ein Ärgernis und nichts, was sie begrüßen und unterstützen. Eine Unterstützung seiner persönlichen Ambitionen durch seine Heimatparteien wird so nicht erleichtert.

Exkurs : Der deutsche Fetisch « Spitzenkandidat » und seine Hintergründe

Die Idee, die Benennung des EU-Kommissionspräsidenten an die vorhergehende Rolle eines Spitzenkandidaten zu knüpfen, ist nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien eine « typisch deutsche » Idee ; dies stimmt insofern als « Spitzenkandidat » eine Aufgabe ist, die vor allem in parlamentarischen Demokratien – wie Deutschland – Sinn macht, da hier der « Spitzenkandidat » der stärksten Partei die größten Chancen hat, vom Parlament zum Kanzler gewählt zu werden. In Präsidialdemokratien – wie Frankreich – in denen der Chef der Regierung vom direkt gewählten Präsidenten vorgeschlagen wird, ist die „Spitzenkandidatur“ weniger wichtig. Dieses Konzept, das wohl von dem ehemaligen (deutschen) Parlamentspräsidenten Martin Schulz propagiert wurde, funktioniert in der EU deshalb nicht richtig, da der EU-Kommissionspräsident ja nicht einfach vom Parlament gewählt wird, sondern dazu vom Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs vorgeschlagen werden muss. Diese wiederum mögen es nicht, vom Parlament zu Vorschlägen gedrängt zu werden, wie man 2019 im Fall von Manfred Weber sehen konnte, der zwar die Europawahl aber nicht das Vertrauen des Europäischen Rates gewonnen hatte.
Unausgesprochene Basis dieser Fixierung auf die Idee einer « Spitzenkandidatur » dürfte die Idee sein, dass die EU zu einer « parlamentarischen Demokratie » werden muss und Deutschland dafür das perfekte Modell abgibt. Bei genauerer Betrachtung steht diese Idee allerdings stark in der Tradition des Gedankens, dass die Welt bzw. die EU am « deutschen Wesen genesen » soll, was den Widerstand von Politikern wie E. Macron, die eher präsidialdemokratisch geprägt sind, gegen diese deutsche Hegemonie verständlicher macht.

Zweitens werden die Chancen von Manfred Weber doch noch Präsident der EU-Kommission zu werden, natürlich von der Amtsinhaberin, Ursula von der Leyen, blockiert. Auch wenn viele Kommentatoren in Deutschland überzeugt sind, dass Manfred Weber sich an Ursula von der Leyen für die Niederlage von 2019 rächen will, ist doch zu bezweifeln, dass nach einer deutschen CDU- Politikerin ein deutscher CSU-Politiker wirklich Chancen hat, Kommissionspräsident zu werden.

Deshalb bevorzugen die Parteichefs von CDU und CSU auch ziemlich deutlich eine erneute Kandidatur von von-der-Leyen. Wenn diese aber nochmal Kommissionspräsidentin werden will, wird sie von vielen an ihre Worte von 2019 erinnert werden : “Wir werden in den nächsten Jahren ein Spitzenkandidatenmodell entwickeln, das vom Rat, in allen Mitgliedstaaten und von allen Abgeordneten getragen wird.”

Auch wenn von diesem Modell noch nichts zu sehen ist, was angesichts der dieser Idee inhärenten deutschen Hegemonie, nicht weiter überraschend ist, wird von der Leyen wohl nichts anderes übrig bleiben als sich dem Procedere einer Kandidatur für das Parlament zu unterwerfen, wenn sie nochmal vom Parlament gewählt werden will. Das wiederum bedeutet, dass sie beim nächsten Parteitag der CDU-Niedersachsen, ihrem Heimat-Landesverband, sich um den Spitzenplatz für die Europawahl 2024 bewerben muss. Da die sicheren Listenplätze natürlich heiß begehrt sind und niemand freiwillig und mit Begeisterung seinen Platz für von-der- Leyen räumen wird, ist dies für von-der-Leyen eine erste Hürde, die sie nur mit viel diplomatischem Geschick und Unterstützung der CDU-Parteiführung überspringen kann.

Exkurs 2 : Europawahlsystem in Deutschland unter dem Regime der CSU

Die Europawahl findet zwar europaweit in demselben Zeitraum und generell gemäß derselben Regeln statt, aber die Nationalstaaten können das konkrete Wahlverfahren gemäß den nationalen Traditionen gestalten. Für Deutschland heißt das, dass es – wie bei der Bundestagswahl – keine nationalen Kandidatenlisten, sondern pro Bundesland eine eigene Liste gibt. Dies wiederum ist der CSU geschuldet, die ja nur in Bayern existiert und deshalb auf Listen pro Bundesland besteht. Die anderen Parteien Bayerns trifft das nicht, da sie alle als Landesverbände einer Bundespartei agieren und diese Sonderrolle nicht beanspruchen. Deshalb ist im übrigen auch nicht zu erwarten, dass die Idee von « europäischen Listen » bei der CSU – und somit bei Manfred Weber – auf viel Begeisterung stoßen wird. Diese Sonderrolle der CSU macht aktuell im übrigen auch Probleme bei der Reform des Wahlrechts für den Bundestag und wird wohl in nächster Zeit vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt werden.

Drittens ist es für Ursula von der Leyen wie Manfred Weber ein großes Problem im Europäischen Rat eine Mehrheit zu finden, die sie stützt. Denn nicht nur Deutschland wird hier – nicht mehr wie 2019 von einer CDU-Kanzlerin – sondern von einem SPD-Kanzler und einer « Ampel »-Koalition vertreten.

Diese hat in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass « Die Grünen » das Recht haben, den nächsten deutschen Vertreter in der EU-Kommission zu benennen. Damit stehen « Die Grünen » vor der Frage, ob sie es vorziehen, eine Deutsche einer anderen Partei für das Amt der Kommissionspräsidentin zu unterstützen oder einen Vertreter der eigenen Partei als Kommissar – womöglich für ein für Deutschland weniger wichtiges Ressort – zu benennen. Dieser Zwickmühle könnten die Grünen wohl selbst dann nicht entkommen, wenn es ihnen gelingen würde politische Schwergewichte wie Joschka Fischer oder Daniel Cohn-Bendit zu einer Kandidatur für das Präsidentenamt zu bewegen.

Ursula von der Leyen steht vor dem Problem, dass die Mehrheit im Europäischen Rat nicht mehr von Vertretern ihrer Europäischen Volkspartei gestellt wird, sondern Sozialisten und Sozialdemokraten bei den staats- und Regierungschefs in der Überzahl sind. Außerdem musste sie sich ja auf Druck des Parlamentes (und insbesondere der deutschen Grünen im Europaparlament) mit den Regierungen in Ungarn und Polen, die sie 2019 wohl unterstützt hatten, in heftige Konflikte begeben, so dass deren Unterstützung für eine Wiederwahl von der Leyens nicht zu erwarten ist.

In deutschen Medien wird von der Leyen Verhalten in diesen Konflikten und ihr Engagement für den Green Deal regelmäßig in einen Zusammenhang mit der hervorgehobenen Rolle gestellt, die die Grünen bei der Benennung des nächsten deutschen Vertreters in der EU-Kommission spielen werden. Denn sie braucht deren Zustimmung, wenn sie eine realistische Chance auf eine zweite Amtszeit haben will. Diese vertrackte Situation spricht sehr dafür, dass wir im Jahr 2023 noch einige interessante politische Manöver sehen werden, die kurzfristig womöglich wenig Sinn ergeben vor dem Hintergrund des Kandidatengerangels aber umso verständlicher sind.

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